UnixMurks und MicroSchrott

Kleine Einführung in die Betriebssystemkunde

Oder, wie man sich am effizientesten den Tag verdirbt.

von kryptart@baron-net.eu
Obwohl das Gesicht unserer modernen Welt wesentlich von den Fehlleistungen der Firma Winzigweich geprägt wird, gebührt doch Unix die Ehre, die Wurzel, oder besser die Quelle allen Übels zu sein.
Das hat Bill übrigens schon frühzeitig erkannt und ihn maßlos geärgert. Deswegen kaufte er QDOS von SCP für 75.000$, ließ dieses von Tim Paterson für IBM-PC zur Mehrzweckwaffe MSDOS umfunktionieren und verkaufte es dann exklusiv genau zur rechten Zeit an IBM und eroberte so die Palme des Siegers für sich. Obwohl MSDOS dazu neigte sich nach kurzer Benutzung selbst zu zerstören und so dem Wort Harakiri eine völlig neue Bedeutung gab, wurde es trotzdem ein Riesenerfolg. Billiboy konnte dem Vernichtungsfeldzug, den Unix gegen die Hirne der gemeinen User führte aber erst mit Windows95 etwas wirklich substanzielles entgegensetzen, und damit gelang ihm dann, auch für ihn selbst recht unerwartet, der entgültige Turnaround, aber dazu kommen wir erst etwas später.
Unix dagegen kann man mit Fug und Recht als Kollateralschaden der 60er betrachten, in denen eine Kombination aus zuviel Pot und freiem Sex den bis dato eher bodenständigen Amis den Blick auf die Realität vernebelte. Jedenfalls entwickelten die beiden urigen Vollbärte Ken Thompson und Dennis Ritchie (RIP) Anfang der 70er in den Bell Labs nach einer durchzechten Nacht die Idee eines Systems, das allen bisherigen Software-Murks in den Schatten stellen sollte. Gemäß der Maxime: Logik ist kein Kriterium, schufen sie erst die Progammiersprache C, mit der sie dann anschließend Unix zusammenschusterten.
Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. AT&T verteilte von Anfang an großzügig Kopien ihrer neuen Errungenschaft, vor allem an den Universitäten, um den angerichteten Schaden zu maximieren, womit sie insbesondere in Kalifornien ein paar echte Treffer landeten. Sonnenverbrannte Nerds, die bisher die Zeit eher mit dem Verzieren ihrer Surfbretter totgeschlagen hatten, wandelten sich zu bleichgesichtigen Software-Junkies, die mit Begeisterung ein unwahrscheinliches Feature nach dem anderen erdachten, z.B. hatten sie absolut keine Probleme, die Anzahl der Optionen für eine ansich so einfache Sache wie 'find' in kürzerster Zeit in ungeahnte Höhen zu treiben, und das ist nur ein recht schwaches Beispiel, weswegen man, wie schon Douglas Adams erkannte, durchaus von Murks-O-Matic sprechen konnte.
Alles hätte soo schön werden können, Ken hatte sogar schon eine neue Idee im Rohr - Plan 9, aber ... halt Plan 9 - ja.
Nachdem sich in den Achzigern die Drogenschwaden etwas verzogen hatten, sah man bei AT&T etwas deutlicher, was man mit Unix angerichtet hatte, nicht daß es ihnen peinlich gewesen wäre, nein, aber sie hatten dennoch das unbestimmte Gefühl, die gröbsten Schnitzer ausbessern zu müssen. Zu diesem Zwecke kam ihnen Ken's neuer Einfall gerade recht. Überraschend für viele - zumindest all diejenigen, die den Film »Plan 9 from Outer Space« gesehen hatten, schien Ken's Plan 9 garnicht so schlecht zu sein - jedenfalls gemessen an dem sonstigen Software-Murks, nein, eher im Gegenteil, wirkte richtig vernünftig, die Sache hatte echtes Potential. Dann allerdings unterlief den Entwicklern ein folgenschwerer Fehler, der all ihre Bemühungen zunichte machte. Sie engagierten den Künstler Renee French und der entwarf für das neue OS ein Maskottchen namens »Glenda«, das eigentlich so eine Art nettes Häschen werden sollte, nein diese Amis, jedoch eher ein, tja, fettes Hasenbrötchen mit oder ohne, da hat man die Qual der Wahl, tja, äh, Ganzkörpernachttopf wurde. Es könnte allerdings vielleicht auch ein Alien-Überraschungsei-mit-Hasenohren sein. Sicher ist, absolut niemand ist sich sicher, was das eigentlich für ein Wesen ist oder sein soll, und wenn es dreimal als Bunny bezeichnet wird. Wie auch immer, »Glenda« war und ist so schrecklich, daß jeder User, der es irgendwie geschafft hatte, Plan9 zu installieren, sofort entsetzt den Stecker aus der Dose riß, wenn »Glenda« auf dem Bildschirm erschien, weil er dachte, er habe sich einen furchtbaren Computervirus eingefangen. Dies bedeutete zwar nicht den Tod aber leider so eine Art Koma für Plan 9, jedenfalls wird es heute nur noch von einigen Hardcore-Nerds genutzt, die aufgrund eines angeborenen Gendefektes immun gegen Grafik-Design sind.
Schade darum, nein wirklich!
Nebenbei, das war der erste lückenlos dokumentierte Fall von Beinahe-Betriebssystem-Tod durch Grafik-Design - auch heute noch für viele Künstler eine reife Leistung, die einem Paradigmenwechsel gleich kam und durchaus auf gleich hohem intelektuellem Niveau verortet werden kann, ja muß, wie etwa die Werke von Damien Hirst oder Jonathan Meese, immerhin zwei der beeindruckensten Koryphäen der Gegenwartskunst.
Nun gut, aber zurück zu Unix.
Alles hätte, wie gesagt, soo schön werden können, aber leider kollidierte Ende der 80er die Praxis: Jeder bastelt sein eigenes Unix, mit dem Grundsatz der Marketingfuzzis: 'Es wäre doch gelacht, wenn wir das nicht verkaufen könnten', wodurch die schrecklichen und verlustreichen Unix-Wars ausgelöst wurden. Die Folgen waren vielfältig und nachhaltig. Unix wie es die Nerds damals kannten und von Herzen liebten, ging zwar nicht gänzlich zu Grunde und erlebte sogar noch einige Wiedergeburten, aber der Schwung war erst mal 'raus. Das wiederum führte bei den Software-Junkies zu Entzugserscheinungen und einige machten sich daher auf die Suche nach neuem Stoff, und sie hatten Glück, ein merkwürdiger Typ da oben rechts, in Finnland, hatte, als einmal sein Kamin mitten im tiefsten Winter ausgefallen war, eine, metaphorisch gesprochen, zündende Idee - Linux.
Die Nerds waren von dem neuen Junk einfach hingerissen. Beflügelt wurde das Ganze noch durch die Idee von OpenSource, die dem Waldschrat Richard Stallman zu verdanken ist und endlich allen Hobby-Murksern den Zugriff auf die Quellen des Murkses erlaubte. Richard ging dann auch gleich in die Vollen und erschuf den Editor EMACS (EscapeMetaAltControlShift) - bekannt auch als TheKingOfMurks oder schlicht TheMurks - der dem Vi-geprüften User ganz neue Dimensionen des Leidens eröffnete. Vorallem nach der Erstinstallation gab es jede Menge gebrochene Finger, aber die Nerds wurden bald notgedrungen härter im Nehmen. Das war selbstverständlich lange vor Microschrott Word, als man trotz-all-dem noch auf der Insel der Seeligen zu leben meinte und nicht ahnte, was einem zukünftig noch so alles zugemutet werden würde.
Aber die entgültige Vertreibung aus dem Paradies stand bevor.
Die Büchse der Pandora war nun jedenfalls unwiderruflich offen, aber, obwohl Unix, Plan 9, AIX, BSD, Linux, Solaris u.s.w. eigentlich locker ausgereicht haben müßten, um einem durchschnittlichen User gründlich den Tag zu vermiesen, war der Software-Gott in diesem Punkt leider ganz anderer Meinung.
In einer besonders düsteren Stunde gab ER den beiden Tunichtguten Bill und Steve den Gedanken an ein neues Betriebssystem ein, das alle bisherigen Murks-Dimensionen sprengen sollte - Windows95 ward geboren. Nun muß man den Unix-Adepten eines zu Gute halten, sie hatten zumindest noch eine gewisse Vorstellung davon, was ein Betriebssystem ist bzw. sein sollte. Den beiden Jungs in Redmond war das hingegen völlig schnurz, sie handelten u. a. nach folgenden Devisen:
erstens: User sind farbenblind,
zweitens: wir brauchen unbedingt noch ein paar tolle Gimmicks,
drittens: der Arbeitsspeicherverbrauch ist sekundär,
viertens: die Dauer des Systemstarts ist von untergeordneter Bedeutung,
und fünftens: was hat denn der User nun schon wieder angestellt, ach was soll's - reboot.
Und - oh Wunder, die beiden fegten alle Konkurrenten lässig vom Markt, eroberten die Welt und wurden sagenhaft reich.
Selbst Scrooge McDuck fragte sich, ob es vielleich nicht doch an der Zeit wäre, seine bisherige Geschäftsstrategie noch einmal gründlich zu überdenken und zog sich schmollend in die Einsamkeit seines Geldspeichers zurück.
Natürlich gibt es noch viel mehr nette Sachen jenseits von gewöhnlichem MicroSchrott und UnixMurks, aber für's erste sollte das als kleine Einführung in die Welt der bedeutenden Betriebssysteme durchaus genügen.
Obwohl - ich muß doch noch die Apfelmännchen erwähnen.
Die haben sich einerseits zwar meist auf einem relativ niedrigen Murks-Level bewegt bzw. besser, es scheint so als ob, das muß man ihnen neidlos zugestehen, aber trotzdem oder vielleicht gerade deswegen - denn die Wege des Users sind unerforschlich, gelang es ihnen andererseits in der Vergangenheit nur zweimal, wirklich große Erfolge zu verbuchen. Erstens konnten sie den Absatz von schwarzen Rollkragenpullovern signifikant steigern und zweitens war ihr Product-Placement für Dreitagebärte recht effizient. Erst in jüngster Zeit gelangen ihnen mit einer revolutionär neuen Art von Musik-Murks und der gelungenen Weiterentwicklung von Telefon-Murks wieder zwei durchschlagende Erfolge, die den guten alten Bill anscheined sehr verblüfft und wieder mal gründlich auf dem falschen Fuß erwischt haben.
Also, wollen Sie jetzt wirklich den Computer einschalten?
Vielleicht gehen Sie doch besser Spazieren oder Angeln oder küssen Frau/Freundin/Mann/ Freund/Hund/Katze dahin, wo es ihr oder ihm am besten gefällt und warten dann in aller Ruhe ab was passiert, oder, oder, ..... , ach machen Sie doch was Sie wollen, ist mir doch völlig egal, ich jedenfalls schalte jetzt mindestens einen meiner Computer ein, allem Murks zum Trotz, ich lasse mich nicht unterkriegen.
ICH NICHT - geküßt wird später - basta!!
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